Verfälschung von Fotos im eigenen Farblabor
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Fotos in Äquidensiten-Technik
(Äquidensiten-Technik: Gleiche Grautöne erhalten gleiche Farben)




Fotografik: Stefan Wehr

Als die Farbentwicklung für Amateure noch in den Kinderschuhen steckte, interessierte ich mich bereits dafür. Vom ersten selbstverdienten Geld kaufte ich mir einen Vergrößerer, das war 1965, und sammelte meine Erfahrungen mit Schwarz-weiß-Vergrößerungen im möblierten Zimmer in Mülheim/Ruhr bis zum Format von 50x60 cm. In dieser Zeit begann ich schon bald mit den ersten Farbversuchen. Damals hieß es noch, ein Privatmann kann das nicht! Der Farbprozeß bestand aus 6 Bädern: Entwickler - Wässerung - Stoppfixierbad - Bleichfixierbad - Wässerung - Stabilisatorbad mit Formalin. Um die Entwicklertemperatur von +-0.5° einzuhalten, arbeitete ich mit Schale in Schale und füllte temperiertes Wasser nach. Beim Heißtrocknen der Bilder entwichen die formalinhaltigen Dämpfe des Stabilisatorbades, was gesundheitlich bestimmt nicht ohne Risiko war...

Ab Anfang der 70er Jahre beschäftigte ich mit Farbverfälschungen wie Solarisationen und dann mit der Äquidensiten-Technik, bei der gleiche Grautöne durch gleiche Farben ersetzt werden. Zur 1200-Jahr-Feier der Stadt Offenbach am Main gestaltete ich eine Ausstellung mit Photographik-Stadtansichten.

Später, als ich auch für Kollegen meiner Arbeitsstelle öfters bei Betriebsfeiern fotografierte und die Arbeit mit der Schalen-Entwicklung immer unpraktischer wurde, schaffte ich mir den DURST - Durchlaufentwickler RCP20 an, bei dem 1 Bild nach 7 Minuten, nachdem es 3 Bäder (Entwickler - Stoppbad - Bleichfixierbad) durchlaufen hat, fertig herauskommt und nur noch gewässert werden muß.

Noch schneller wurde der Farbprozeß, als das neue RA4-Fotopapier mit neuer Emulsion und neuer Chemie auf den Markt kam. Nach Selbstumbau des Durchlaufentwicklers (eine Antriebswelle bekam einen kleineren Durchmesser) dauerte der Prozeß nur noch 3 Minuten. Die Entwickler- und Bleichfixierbad-Temperaturen konnten von 35° auf 26°C. gesenkt und damit die Oxydation verringert werden.

5 Streifen meiner selbstentwickelten Negative legte ich auf ein Blatt 18x24-Fotopapier, eine Glasscheibe darüber und hatte nach dem Entwickeln die beste Möglichkeit, die Bilder anzusehen und auch zu archivieren. Alle Negative habe ich von Anfang an auf diese Weise archiviert und bis jetzt 6 Ordner voll. Daß ich die Negative in Streifen zu 6 Negativen zerschneiden konnte, ist mit ein Grund, daß ich das Entwickeln bis zum Jahr 2000 noch selbst vornahm. In den großen Labors werden die Negative in 3er- und 4er-Streifen zerschnitten!



Bis dahin gehörte es allerdings schon fast zum Luxus, seine Fotos noch selbst zu entwickeln, denn inzwischen war es billiger, diese Arbeit vom Händler ausführen zu lassen. Die Selbstkosten für Fotopapier und Chemie (TETENAL) beliefen sich pro 9x13-Bild auf etwa -.35 DM. Händler-Fotos gab es oft schon für -.19 DM. Bei Postern verschob sich das Verhältnis noch mehr zu Gunsten des Händlers.

1997 kaufte ich auf einer Fotobörse eine russische Horizon 202-Kamera, die ein Negativformat von 58x24mm liefert, also eine echte Weitwinkel-Kamera. Vergrößerungen davon lassen sich nur selbst entwickeln, hier hat die eigene Vergrößerung wieder Vorzüge.

Kamera: Horizon 202 - Blick auf Rauris - Foto: Stefan Wehr

Seit einigen Jahren mache ich nur noch Digitalfotos und das Fotolabor wird nicht mehr genutzt. Ich konnte es inzwischen verkaufen:
Primos 6x9 Vergrößerer mit großer Platte und großer Säule, 2 Objektiven für 6x6 und Kleinbild, Farbkopf, Spannungskonstanthalter, Belichtungsschaltuhr, RCP20-Durchlaufentwickler, Rowi-Durchlauftrockner, Belichtungsrahmen.



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